In der Numismatik ist es durchaus üblich, dass Münzen jene Ereignisse darstellen, die der Emittent – meist der Staat – als bedeutsam erachtet. Dies zeigt sich besonders deutlich bei Gedenkmünzen, die, wie der Name schon sagt, anlässlich bestimmter besonderer Ereignisse ausgegeben werden. Bei solchen Anlässen erfüllt die Münze neben ihrer monetären Funktion auch eine propagandistische Funktion.
Eines der makabersten Ereignisse, das (schamlos) auf einer Münze verewigt wurde, ist die Ermordung von Gaius Julius Caesar. Noch makabrer ist zudem die Tatsache, dass diese Münze von einem seiner Mörder – Marcus Junius Brutus – geprägt wurde. Dieser Mörder schämte sich nicht für seine Tat, sondern prahlte sogar damit, und der Gipfel seiner Prahlerei bestand darin, dieses „Ereignis“ auf seiner eigenen Münze verewigen zu lassen. Brutus ging in die Geschichte ein, allerdings als Verbrecher, Verräter und Mörder seines Wohltäters, und sein Name wurde sogar zum Synonym für Grausamkeit (Brutalität).
Die hier erwähnte Münze ist für Numismatiker zweifellos von Interesse; es handelt sich um einen römischen Denar mit der Inschrift „EID MAR“ (Eidibus Martiis, d. h. die Iden des März), der zwischen 43 und 42 v. Chr. geprägt wurde. Diese Gedenkmünze würdigt offen die Ermordung von Gaius Julius Caesar, die am 15. März 44 v. Chr. stattfand.

Auf der Vorderseite der Münze ist ein nach rechts blickendes Porträt von Marcus Junius Brutus abgebildet. Über dem Kopf befindet sich die halbkreisförmige Inschrift „BRVT“, rechts davon „IMP“. Links vom Kopf, entlang des Münzrandes, ist die Signatur des Münzmeisters „L • PLAET • CEST“ (Lucius Plaetorius Cestianus) zu sehen. Der Münzrand ist gepunktet.
Auf der Rückseite der Münze ist in der Mitte ein Pileus (eine besondere Art von Mütze) abgebildet, und zu beiden Seiten befindet sich jeweils ein Dolch, dessen Klinge nach unten zeigt. Unterhalb des Pileus befindet sich die Inschrift „EID • MAR“, die für „Eidibus Martiis“ steht, d. h. die Iden des März, den 15. März, den Tag, an dem Gaius Julius Caesar ermordet wurde. Der Rand der Münze ist mit Punkten verziert.
Die Symbolik auf dieser Münze ist besonders interessant. Tatsächlich war Brutus davon überzeugt, dass er mit der Ermordung Cäsars eine gute Tat vollbracht und kein Verbrechen begangen hatte. Er glaubte, durch die Tötung des Tyrannen Cäsar den Römern die Freiheit gebracht zu haben. Die auf dieser Münze abgebildete besondere Art von Kopfbedeckung (Pileus) steht als Symbol für die römische Freiheit und wurde oft von freigelassenen Sklaven getragen. Die beiden Dolche symbolisieren, dass es die in Caesars Leib gestoßenen Dolche waren, die Rom die „Freiheit“ brachten.
Diese Münze wurde aus Silber geprägt, wiegt etwa 3,80 g und hat einen Durchmesser von 18 mm. Sie wurde höchstwahrscheinlich in einer Militärmünzstätte geprägt, die Brutus„ Armee begleitete, und diente zur Bezahlung der Soldaten. Die Münze selbst trägt eine eindringliche politische Botschaft und sollte symbolisieren, dass der römische Staat die Ermordung Caesars gewissermaßen “legitimiert“ hatte, doch dies entsprach keineswegs der Wahrheit. Ebenso unterstützte die Mehrheit der Römer die Ermordung Caesars nicht.
Bislang sind etwa hundert Exemplare dieser Münze in Silber bekannt, während die Goldmünzen äußerst selten sind und nur drei Exemplare bekannt sind. Auf dem numismatischen Markt ist diese Münze sehr beliebt und begehrt, sodass sie bei jedem Erscheinen auf einer Auktion außergewöhnlich hohe Preise erzielt.
Der höchste Preis, der für ein Exemplar dieser Münze aus Silber erzielt wurde, beträgt 685.000 € (720.000 US-Dollar) und wurde bei der Heritage-Auktion im Mai 2023 erzielt.

Der höchste Preis, der jemals für ein Goldstück erzielt wurde, beträgt 2.989.606 Euro und wurde bei der Auktion von Roma Numismatics im Oktober 2020 erzielt. Leider stellte sich schließlich heraus, dass dieses Exemplar illegal erworben worden war und keine gültigen Herkunftsnachweise vorlagen, sodass es von den Behörden beschlagnahmt und nach Griechenland zurückgegeben wurde, aus dem es angeblich illegal entwendet worden war.
Alles in allem ist dieser Denar von Brutus nicht nur eine der seltensten römischen Münzen, sondern auch ein Zeugnis eines dramatischen und entscheidenden Moments in der römischen Geschichte. Ein tragisches Ereignis, ein politisches Attentat, fand seinen Ausdruck auf einer Münze und ist nach mehr als 2.000 Jahren zu einem begehrten Objekt für Menschen geworden, die nichts damit zu tun haben, sondern lediglich antike Münzen sammeln. Damit hätte Brutus wohl nicht gerechnet…
Autor: Zlatko Viščević
Bilder: Classical Numismatic Group [www.cngcoins.com], Roma Numismatics [www.romanumismatics.com].









