Jesus Christus ist die zentrale Figur des Christentums und verkörpert nach christlichem Glauben Gott, einen Teil der Heiligen Dreifaltigkeit, den Messias, den Retter und Erlöser der Welt. Zu seiner Zeit trug er den Namen Jesus und war auch als Jesus von Nazareth (Jesus der Nazarener) bekannt, während der Titel Christus (griechisch: Χριστός, Christos – der Gesalbte) erst später hinzugefügt. Aufgrund seiner Bedeutung für das Christentum ist Jesus Christus häufig auf den Symbolen christlicher Länder und folglich auch auf deren Währungen abgebildet.
Das Römische Reich war bekannt für die Vielzahl an Gottheiten und Herrschern, die seine Münzen zierten. Nachdem Kaiser Konstantin der Große im frühen 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion erklärt hatte, tauchten christliche Symbole auf den Münzen auf. Am häufigsten waren das Chi-Rho (☧) und das Kreuz.
Das Byzantinische Reich, das den östlichen Teil des Römischen Reiches beerbt hatte, verwendete ebenfalls christliche Motive auf seinen Münzen, doch es dauerte noch mehrere Jahrhunderte, bis die Gestalt Jesu Christi darauf erschien.

Kaiser Justin II., der im späten 7. Jahrhundert regierte, war der Erste, der ein Bildnis von Jesus Christus auf seinem goldenen Solidus anbringen ließ, der zwischen 685 und 695 geprägt wurde.
Auf der Vorderseite dieser Goldmünze mit einem Durchmesser von 20 mm und einem Gewicht von 4,40 g dominiert die Figur Jesu Christi in der charakteristischen Darstellung, die als „Christus Pantokrator“ (Christus, der Allmächtige) bekannt ist; in seiner linken Hand hält er das Evangelium, und seine rechte Hand ist in einer Segensgeste erhoben.
Auf der Rückseite ist die Figur von Kaiser Justin II. zu sehen, der auf einer Treppe steht und in seiner rechten Hand ein Kreuz hält.
Die Ausgabe von Geldstücken mit dem Bildnis Jesu war für die damalige Zeit ein radikaler Schritt, da Münzen bis dahin vorwiegend mit Porträts von Herrschern verziert waren und die bildliche Darstellung Jesu Christi zudem aus theologischen Gründen umstritten war. Dies gipfelte insbesondere während der Ikonoklastenkrise im 8. und 9. Jahrhundert, als religiöse Reformer, die sogenannten Ikonoklasten, die Verehrung von Bildern und Statuen als Götzendienst und Ketzerei betrachteten.
In dieser Zeit wurden leider viele Gemälde, Statuen und andere religiöse Gegenstände zerstört. Dank der erhaltenen Münzen haben wir jedoch die Möglichkeit zu sehen, wie die künstlerischen Darstellungen von Jesus Christus zu jener Zeit aussahen. Nach dem Ende der ikonoklastischen Krise tauchte das Bildnis Jesu wieder auf byzantinischen Münzen auf.
Die erste Darstellung von Jesus Christus auf Münzen ist nicht nur eine Frage der Kunst oder des Geldes. Es ist eine Geschichte über Glauben, Politik, Kultur und sogar die Kontroversen jener Zeit. Numismatiker wissen bereits, dass jede Münze eine interessante historische Geschichte erzählt, und die Münze mit der Darstellung Christi gehört zweifellos dazu.
Autor: Zlatko Viščević
Bilder: Classical Numismatic Group [www.cngcoins.com]








