Bevor eine endgültige Gestaltung einer Münze festgelegt wird oder mit der Prägung von Umlaufmünzen begonnen wird, fertigt die Münzanstalt eine kleine Anzahl von Probe- (Test-)Münzen an.
Solche Probeprägungen werden in der Numismatik als „Trial Strikes“ oder „Trials“ (proba, trial strike, essai…) bezeichnet und werden meist für verschiedene Zwecke hergestellt, wie zum Beispiel:
Werkstoffprüfung (Metalllegierungen): Anhand von Prüfschmiedeteilen lassen sich verschiedene Metalllegierungen auf ihre Eignung für das Schmieden und ihre Fließfähigkeit prüfen.
Gestaltungsbewertung: Anproben ermöglichen es der Münzprägeanstalt oder der für die Münzproduktion zuständigen Kommission, die ästhetischen und praktischen Aspekte des Münzdesigns zu beurteilen, darunter das Relief, die Details und das Gesamterscheinungsbild.
Formprüfung: Probegussstücke dienen dazu, die Qualität der Formen zu beurteilen und eventuelle Fehler oder Mängel vor der Serienfertigung zu erkennen.
Versuche im Schmiedeprozess: Anhand von Probeschmiedeteilen lässt sich mit unterschiedlichen Schlagkräften oder Knüppeltemperaturen experimentieren, um zu untersuchen, wie sich diese Faktoren auf das endgültige Schmiedeteil auswirken.
Verwendung zu Bildungs- oder Werbezwecken: Probeprägungen werden manchmal zu Bildungszwecken hergestellt, um den Prägeprozess zu veranschaulichen, oder zu Werbezwecken, um das Interesse der Öffentlichkeit an einem neuen Münzdesign zu wecken.
Proof-Münzen sind in der Regel nicht für den Umlauf bestimmt und verbleiben oft in der Münzanstalt. Einige gelangen jedoch auf den numismatischen Markt, wo sie aufgrund ihrer Seltenheit und des einzigartigen Einblicks in den Münzherstellungsprozess hoch geschätzt werden.
Proof-Münzen sind sehr häufig mit besonderen Kennzeichnungen versehen, um sie von den gewöhnlichen Umlaufmünzen zu unterscheiden.
Eine der bekanntesten Probeprägungen in unserer Region ist die Probeprägung von 1925 für das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Diese Probestücke wurden in der Münzanstalt von Poissy in Frankreich geprägt und tragen die Aufschrift „ESSAI“.

Beide Münzen sind identisch mit den regulären 1- und 2-Dinar-Ausgaben von 1925. Sie sind aus einer Legierung aus 75% Kupfer und 25% Nickel geprägt, haben einen geriffelten Rand und weisen eine lateinische Ausrichtung (↑↓) auf.
Der Unterschied liegt natürlich im Gewicht und im Durchmesser. Ein-Dinar-Münzen haben ein Gewicht von 5 g und einen Durchmesser von 23 mm, während Zwei-Dinar-Münzen ein Gewicht von 10 g und einen Durchmesser von 27 mm haben.

Auf der Vorderseite dieser Münzen ist eine nach links blickende Büste von König Alexander I. von Jugoslawien abgebildet. Um die Büste herum verläuft eine kreisförmige Inschrift: АЛЕКСАНДАР I. КРАЉ СРБА, ХРВАТА И СЛОВЕНАЦА. Unterhalb der Büste befindet sich die Graveurmarke: A. PATEY (Henri-Auguste Patey). Am Rand der Münze sind Punkte angeordnet.
Auf der Rückseite der Münzen befindet sich im mittleren Bereich die Nennwertangabe: 1 / DINAR oder 2 / DINARS, darunter die Jahreszahl 1925. Über der Nennwertangabe ist eine Königskrone abgebildet. All dies ist von einem Kranz aus Lorbeer- und Eichenzweigen umgeben, der mit einem Band zusammengebunden ist. Links neben dem Band befindet sich das Münzzeichen von Poissy: ein Blitz, und rechts davon die Inschrift ESSAI. Es gibt auch Exemplare, bei denen sich diese ESSAI-Inschrift rechts neben der Krone befindet. Am Rand der Münze befinden sich Punkte, die oft in den Rand eingelassen sind und daher kaum auffallen.
Autor: Zlatko Viščević
Bilder: Numex – Shop für Münzen, Banknoten und Militaria [www.numex.hr]








