Vom Mittelalter bis 1918 bestand der Titel „König von Kroatien“ ununterbrochen, was eindeutig die tausendjährige staatsrechtliche Kontinuität der kroatischen Staatlichkeit belegt. Das Verschwinden der einheimischen kroatischen Herrscherdynastie bedeutete nicht das Verschwinden des kroatischen Königstitels; vielmehr bestand dieser in der Titulatur der ungarischen und später der habsburgischen Herrscher weiter. Somit wurde die mittelalterliche kroatische Staatlichkeit nicht abgeschafft, sondern im Rahmen neuer dynastischer und politischer Beziehungen aufrechterhalten, was für christliche europäische Länder jener Zeit üblich war. Gerade diese Kontinuität des Titels „König von Kroatien“ zeigt, dass Kroatien seine Staatlichkeit über die Jahrhunderte hinweg bis zum Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahr 1918 bewahrte.
Diese staatliche Kontinuität zeigt sich nicht nur in historischen Dokumenten und staatlichen Rechtsakten, sondern auch auf Münzen. In der frühen Neuzeit waren Münzen eines der wichtigsten öffentlichen Medien der staatlichen Autorität. Sie trugen die Porträts, Wappen, Symbole und Titel der Herrscher. Die Inschrift auf der Münze war keine zufällige Verzierung, sondern eine offizielle politische Botschaft. Ein solches Beispiel ist der posthume Taler von Ferdinand I. zu sehen, der zwischen 1573 und 1576 in Hall in Tirol geprägt wurde. Dieser Taler ist ein schönes Beispiel, das für die kroatische Numismatik und die Geschichte der kroatischen Staatlichkeit von besonderer Bedeutung ist.
Auf der Vorderseite dieses Talers befindet sich eine Inschrift, in der Ferdinand I. als “König der Römer, von Ungarn, Böhmen, Dalmatien und Kroatien” bezeichnet wird. Dieser Taler ist daher ein wichtiges materielles Zeugnis dafür, dass der Titel “König von Kroatien” ein fester Bestandteil der offiziellen Habsburger Titulatur war. Die Inschrift „DAL · CROAT · REX“ ist von besonderer Bedeutung, da sie bestätigt, dass der Titel „König von Kroatien“ ein fester Bestandteil der offiziellen Titulatur Ferdinands I. war und dass Dalmatien und Kroatien eigenständige Königreiche innerhalb der Habsburgermonarchie waren.
Posthumer Taler von Ferdinand I. von Habsburg
Das abgebildete Exemplar gehört zur Gruppe der posthumen Taler von Ferdinand I., die in der Münzstätte Hall in Tirol geprägt wurden. Es handelt sich um einen Silbertaler mit einem Gewicht von 24,64 Gramm und einem Silberfeingehalt von 0,930. Er wurde zwischen 1573 und 1576 geprägt, also nach Ferdinands Tod im Jahr 1564. In der Fachliteratur ist dieser Typ unter den Katalognummern Moser-Tursky 211 und 213, Hahn 86 sowie Davenport 8030 aufgeführt.
Der Taler wurde im Walzprägeverfahren hergestellt, weshalb er in der deutschen Literatur als „Walzentaler“ bezeichnet wird. Diese Prägeweise stellte einen bedeutenden technologischen Fortschritt gegenüber älteren, manuellen Verfahren dar. Anstatt einzelne Prägeformen mit einem Hammer zu bearbeiten, wurden die Motive mithilfe von Walzen in einen Metallstreifen eingeprägt. Dadurch wurde die Produktion regelmäßiger, einheitlicher und besser für größere Auflagen geeignet. Hall in Tirol war eines der bedeutenden Zentren dieser fortschrittlichen Münzprägung in den Habsburger Ländern.

Auf der Vorderseite des Talirs ist eine nach rechts blickende, gepanzerte Büste von Ferdinand I. abgebildet. Der Herrscher wird mit einer Krone, einer reich verzierten Rüstung und den königlichen Insignien dargestellt. In seiner rechten Hand hält er ein Zepter, während er mit der linken Hand den Griff seines Schwertes stützt. Diese Elemente sind nicht nur dekorativ. Die Krone steht für die königliche Autorität, das Zepter für die königliche Würde und das Schwert für die militärische und schützende Funktion des Herrschers. Im Zusammenhang mit Ferdinands Herrschaft über Kroatien kommt dieser Symbolik eine zusätzliche Bedeutung zu, da die Verteidigung gegen die Osmanen einer der Hauptgründe war, warum der kroatische Adel Ferdinand 1527 zum König von Kroatien wählte.
Die Büste Ferdinands wird in feierlicher und repräsentativer Weise dargestellt. Das Porträt zielt nicht bloß auf eine physische Ähnlichkeit ab, sondern vor allem darauf, die Autorität des Monarchen zu unterstreichen. Rüstung, Krone und Insignien vermitteln das Bild des Herrschers als Träger legitimer, erblicher und militärischer Autorität. Eine solche Darstellung entsprach der königlichen Ikonografie der Renaissance und der Frühen Neuzeit, in der auch die Münzprägung als Mittel der politischen Kommunikation diente.
Die Inschrift auf der Vorderseite lautet: “+ FERD · D : G · RO · HVN · BO · DAL · CROAT · REX”
Dies ist eine gekürzte Form der Inschrift: “Ferdinandus Dei Gratia Romanorum, Hungariae, Bohemiae, Dalmatiae, Croatiae Rex”
Übersetzung: “Ferdinand, von Gottes Gnaden König der Römer, von Ungarn, Böhmen, Dalmatien und Kroatien.”
Diese Inschrift ist von außerordentlicher Bedeutung, da in der offiziellen königlichen Titulatur Kroatien ausdrücklich erwähnt wird. Die Abkürzung “CROAT” bezieht sich auf “Croatiae”, also Kroatien, während das abschließende „REX“ den König bezeichnet. Der Teil der Inschrift „DAL · CROAT · REX“ ist als „König von Dalmatien und Kroatien“ zu lesen. Das bedeutet, dass Kroatien nicht nur indirekt in den umfassenderen ungarischen Titel einbezogen ist, sondern namentlich genannt wird.
Gerade dieses Detail verleiht diesem Taler einen besonderen Stellenwert in der kroatischen Numismatik. Es zeigt, dass der kroatische Königstitel Teil der Amtssprache der Behörden war und als solcher auf den Münzen erschien. Die Münze diente als Zahlungsmittel im täglichen Geschäftsverkehr, war aber zugleich Träger einer offiziellen Botschaft. Jeder dieser Taler bestätigte öffentlich Ferdinands Titulatur und die politische Ordnung, zu der Kroatien gehörte.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine spätere nationalistische Bedeutungszuweisung für alte Währung handelt. Die Inschrift ist eine originale historische Aufzeichnung. Sie zeigt, wie sich Ferdinand I. selbst bezeichnete und welche Länder er als Teil seiner Hoheitsgewalt betrachtete. Darunter ist Kroatien eindeutig aufgeführt. Aus diesem Grund ist dieser Taler nicht nur als Exemplar der habsburgischen Silbermünzprägung wertvoll, sondern auch als numismatisches Dokument der staatsrechtlichen Geschichte Kroatiens.

Auf der Rückseite ist ein Tiroler Adler mit ausgebreiteten Flügeln und nach links gewandtem Kopf abgebildet. Der Adler wird ohne Krone und Heiligenschein dargestellt und trägt auf der Brust ein Schild mit den Wappen von Kastilien und Österreich. Diese Darstellung verweist auf Ferdinands dynastische Herkunft und auf die weitreichende europäische Ausdehnung der habsburgischen Herrschaft.
Die Inschrift auf der Rückseite lautet: “+ INF · HISP · ARCHIDVX · AVSTRIE · DV · BVR”
Es handelt sich um eine verkürzte Form der Inschrift: “Infante Hispaniae, Archidux Austriae, Dux Burgundiae.”
Übersetzung: “Spanischer Infant (Prinz), österreichischer Erzherzog, Herzog von Burgund.”
Die Rückseite hebt somit den anderen Teil von Ferdinands Identität hervor: sein habsburgisches, österreichisches, spanisches und burgundisches Erbe. Ferdinand war der Sohn von Philipp dem Schönen und Johanna von Kastilien, der Enkel von Kaiser Maximilian I. sowie der Enkel von Ferdinand V. von Aragon und Isabella I. von Kastilien. In seiner Person verbanden sich mehrere große europäische Dynastietraditionen, und seine Herrschaft umfasste verschiedene Länder, Kronen und Erbbesitzungen.
Betrachtet man die Vorder- und Rückseite des Talers gemeinsam, ergeben sie ein prägnantes politisches Porträt von Ferdinand I. Auf der Vorderseite ist er als König der Römer, von Ungarn, Böhmen, Dalmatien und Kroatien dargestellt, auf der Rückseite als spanischer Infante, Erzherzog von Österreich und Herzog von Burgund. In dieser Kombination von Titeln zeigt sich die Komplexität der habsburgischen Herrschaft im 16. Jahrhundert, aber auch die besondere Stellung Kroatiens innerhalb dieses größeren dynastischen Ganzen.
Auktionslos aus der Auktion von H. D. Rauch
Das abgebildete Exemplar wurde am 10. Juni 2021 im Auktionshaus H. D. Rauch, Auktion Nr. 112, Los 1040, versteigert. In der Auktionsbeschreibung wurde es als Thaler ohne Jahreszahl aufgeführt, geprägt in Hall, mit dem Münzmeisterzeichen von Jakob Bertof. Es wurde als posthumer Walzentaler beschrieben, geprägt 1573/1576, vierte Walzenkombination IV/1.

In der Beschreibung werden folgende Quellen angegeben: Davenport 8030 var., Hahn 86 und Moser-Tursky 211. Das Auktionshaus beschrieb das Exemplar als „Prachtexemplar mit herrlicher Patina”, also als ein herausragendes Exemplar mit wunderschöner Patina. Der Erhaltungszustand wird mit „R f.stplfr.” angegeben, was auf ein seltenes und sehr gut erhaltenes Exemplar hinweist.
Der Startpreis betrug 1.000 €, und der erzielte Preis lag bei 3.400 € (ohne Auktionsprovision, Steuern und sonstige Kosten).
Dieses Ergebnis zeigt, dass es sich um einen sehr begehrten Taler handelt, insbesondere wenn das Exemplar gut erhalten ist und eine schöne Patina aufweist. Für Sammler habsburgischer, österreichischer und Tiroler Münzen ist es ein wichtiger und begehrter Typ, und für kroatische Sammler hat es aufgrund der deutlichen Erwähnung Kroatiens in der Inschrift des Herrschers einen zusätzlichen Wert.
Ferdinand I. als König von Kroatien
Ferdinand I. wurde am 10. März 1503 in Alcalá de Henares bei Madrid geboren und starb am 25. Juli 1564 in Wien. Er war Erzherzog von Österreich, König von Böhmen, König von Ungarn und Kroatien sowie Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Seine Thronbesteigung in Kroatien markierte den Beginn der Habsburgerzeit in der kroatischen Geschichte, die bis 1918 andauerte.
Der entscheidende Moment für Kroatien ereignete sich nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526. In dieser Schlacht fiel König Ludwig II., wodurch die Frage nach der Thronfolge des kroatisch-ungarischen Throns offen wurde. Ferdinand stützte seinen Anspruch auf den Thron auf frühere Erbvereinbarungen zwischen den Habsburgern und den Jagiellonen, doch für die kroatische Geschichte ist es von besonderer Bedeutung, dass er am 1. Januar 1527 auf dem Landtag von Cetingrad vom kroatischen Adel zum König von Kroatien gewählt wurde.

Cetinski- oder Cetingradski-Versammlung i Die Charta von Cetinje Sie gehören zu den wichtigsten Ereignissen der kroatischen Geschichte. Die kroatischen Stände waren dabei keine passiven Beobachter, sondern ein politisches Gremium, das über die Wahl des Herrschers entschied. Angesichts der drohenden osmanischen Gefahr entschieden sich die kroatischen Adligen für Ferdinand, da sie von ihm militärische Unterstützung und die Verteidigung des Landes erwarteten. Diese Entscheidung bestätigt die Staatlichkeit Kroatiens und die Tatsache, dass Kroatien in der Frühen Neuzeit weiterhin als politische Gemeinschaft mit eigenen Ständen und Rechten fungierte. Mit diesem Schritt gelang es Kroatien unter äußerst ungünstigen militärischen und politischen Umständen, seine Staatlichkeit und Identität zu bewahren und das Schicksal seiner südlichen und östlichen Nachbarn zu vermeiden – nämlich eine weitere Provinz des Osmanischen Reiches zu werden und seine politische Identität vollständig zu verlieren.
Ferdinands Regierungszeit war keine leichte. Zu jener Zeit wurde Kroatien schwer von osmanischen Einfällen heimgesucht, und ein großer Teil seines Territoriums war entweder unmittelbar bedroht oder bereits verloren. Trotz begrenzter finanzieller und militärischer Ressourcen markierte Ferdinands Regierungszeit den Beginn einer stärkeren Einbindung der kroatischen Verteidigung in das habsburgische Militärsystem. In dieser Zeit nahmen die Verteidigungsanlagen, die später Teil der Militärgrenze werden sollten, allmählich Gestalt an.
Ferdinand I. ist zudem als einer der Gründer der Habsburgermonarchie von Bedeutung. Unter seiner Herrschaft wurden die österreichischen Länder, Böhmen, Ungarn und Kroatien vereint. Diese Länder wurden nicht sofort zu einem einzigen, zentralisierten Staat, sondern behielten lange Zeit ihre besonderen rechtlichen Stellung, ihre korporativen Institutionen und ihre historischen Traditionen bei. In diesem Rahmen blieb Kroatien ein Königreich, und der Titel „König von Kroatien“ war weiterhin Bestandteil der offiziellen Titulatur des Herrschers.
Der numismatische und historische Wert dieses Talers
Der posthume Taler von Ferdinand I. von Hall ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Als numismatisches Objekt gehört er zur Frühphase der Walzprägung und zeugt von der technologischen Entwicklung der Münzproduktion im 16. Jahrhundert. Als Kunstobjekt zeichnet er sich durch ein eindrucksvolles Herrscherporträt und eine sorgfältig gestaltete heraldische Komposition aus. Als historische Quelle dokumentiert er die offizielle Titulatur eines der bedeutendsten Herrscher der mitteleuropäischen Geschichte.
Für die kroatische Numismatik ist seine Bedeutung sogar noch größer. Die Inschrift auf der Vorderseite nennt Kroatien ausdrücklich und bestätigt, dass Ferdinand I. in seiner offiziellen Titulatur den Titel „König von Kroatien“ trug. Somit wird dieser Taler zu einem materiellen Beweis für die Kontinuität des kroatischen Königstitels nach dem Mittelalter.
Auf der vergleichsweise kleinen Fläche einer Silbermünze ist eine bedeutende historische Botschaft verdichtet. Kroatien erscheint dort nicht als geografische Randnotiz, sondern als Königreich in der Titulatur des Herrschers. Dies ist besonders wichtig für das Verständnis der kroatischen Geschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. In dieser Zeit war Kroatien zwar Teil größerer Staatsgemeinschaften, behielt jedoch seine staatsrechtliche Identität, seinen Namen und seinen Königstitel bei.
Aus diesem Grund geht der Thaler Ferdinands I. aus Hall über den engen Rahmen des Sammlerinteresses hinaus. Er ist ein numismatisches Denkmal der staatlich-rechtlichen Tradition Kroatiens. Seine Inschrift belegt, dass der Titel „König von Kroatien“ auch nach der mittelalterlichen Ära einheimischer Herrscher weiterhin verwendet wurde und Teil der offiziellen europäischen königlichen Praxis war. Gerade aus diesem Grund verdient dieser Taler einen besonderen Platz in der kroatischen Numismatik.
Autor: Zlatko Viščević mit KI-Unterstützung
Bilder: H. D. Rauch Auktion, Wikipedia







